Wenn Prominente Auto fahren …

Wenn Prominente Auto fahren ...

Anhand ausgewählter Opfer schreibt Klaus Gietinger eine kleine Geschichte des Verkehrsunfalls, die zeigt, was einem so alles passieren kann, wenn man sich auf die Straße wagt. Erfreulich für uns: Radler kommen nur am Rande vor.

Wenn ein kulturelles Schwergewicht wie der Schriftsteller, Drehbuchautor und Polit-Aktivist Klaus Gietinger ein Buch über „prominente Unfallopfer“ (so der Untertitel) auf den Markt bringt, kann man nicht unbedingt Sachlichkeit erwarten, dafür aber spannende Unterhaltung. Zumal, wenn der Autor ein selbsterklärter Autohasser ist. Und in der Tat können sich Freunde gepflegter Polemik die Hände reiben: Die Leseprobe von „99 Crashes“ (erschienen im Frankfurter Westend-Verlag) beginnt vielversprechend mit einer saftigen Anti-Automobilität-Einleitung; es folgt ein wahres Panoptikum der Verkehrsunfälle. Manchen von Gietingers 99 Unfallopfern stieg am Steuer der Alkohol zu Kopf (u. a. Jörg Haider), andere wurden trotz fachlicher Eignung Opfer ihrer ungeschickten Fahrweise (der Fahrlehrer und NPD-Politiker Uwe Leichsenring). Auch der eine oder andere Selbstmord (oder Mord?) per Kfz findet sich in Gietingers Liste. Mindestens eine Berühmtheit wurde von der Straßenbahn überfahren (Antoni Gaudí), eine andere fiel einem Alleinunfall auf dem Motorrad zum Opfer (T. E. Lawrence „von Arabien“). Dass auch Promis ungeschickt sein können, lehrt der Fall der jungen Schauspielerin, die nachts auf der Landstraße einen Igel retten wollte – im schwarzen Mantel statt in der Warnweste. Und hin und wieder muss man trotz aller Tragik schmunzeln: Zum Beispiel, wenn ein Autor auf dem Weg zu seiner Lesung bei Rot über die Ampel will. Der Titel seines Werkes: „Es gibt keinen Weg. Nur gehen“.
Alkohol, Drogen, Aggression, Selbstüberschätzung, Nachlässigkeit: War das Automobil beziehungsweise der Straßenverkehr an sich vielleicht nicht Ursache, sondern nur Anlass so manchen Todesfalls? Wie dem auch sei – erfreulich (und wieder näher an unserem Thema) ist, dass nur eines von Klaus Gietingers prominenten Opfern beim Radfahren verunfallte. Aber irgendwie war der auch ein Kfz’ler: Er sollte am nächsten Tag Chef eines Autokonzerns werden …