Urbane Radkultur: BMX – die Stadt als Spielplatz

Urbane Radkultur: BMX – die Stadt als Spielplatz

Der BMX-Fahrer ist der Kulturfolger der Urbanisierung. Anders als all die Rennradler und Mountainbiker will er der Stadt nicht entfliehen – sie ist sein Habitat.

Beim Stichwort “urbane Radkultur” denkt man vielfach an junge Leute auf alten Hollandrädern, trendige Bartträger mit Retro-Rennrädern und natürlich die täglichen Besuche beim “Kaffee-Roller”. Doch wie die Eroberung des urbanen Raums auf zwei Rädern wirklich aussieht, machen ganz andere vor: die BMX-Fahrer. Das sind meist etwas in sich gekehrt wirkende Jugendliche, die mit einer kaum glaublichen Geduld wieder und wieder ihre akrobatischen Kunststücke einüben. 

Der BMXer hat sich mit den Verhältnissen abgefunden. Er gründet keine Bürgerinitiative für den Rückbau von Bausünden, er versucht nicht, die Stadt mit “Guerilla Gardening” grüner zu machen. Stattdessen erklärt er den urbanen Raum zu seinem Spielplatz: Alles, was glatt genug ist, um ein Fahrrad an sich abgleiten zu lassen, gehört ihm; Treppen ebenso wie Betonquader, Sitzbänke wie Geländer. 
Der BMXer verhält sich zur Stadt wie ein Tier zu seinem Lebensraum: Er greift nicht ein, will nicht verändern; er nutzt sein Habitat und versucht, möglichst wenige Spuren zu hinterlassen. Wird er aufgestört, zeigt er keine Scheu – scheinbar unbeeinflusst von der Aufmerksamkeit, die er weckt, fährt er in seinem Tun fort.
Wie der Stadtfuchs ist der BMXer ein Kulturfolger der Urbanisierung, einer, der das Fahrrad von der Landpartie und der Geländetour zurückholt in die Stadt. Den Älteren, die ihn tadelnd anschauen, scheint er zuzuraunen: “Ihr habt diese Stadt gebaut, ihr wolltet, dass ich in dieser Betonwüste aufwachse. Wäre ich ein Landkind, würde ich auf Bäume klettern, Staudämme bauen und über Feldwege flitzen. So musste ich mich halt arrangieren.”
Der BMXer hat keine Botschaft. Er ist die Botschaft. Wie sie zu deuten ist, wird ihm letztlich gleichgültig sein – er will einfach nur wieder und wieder seine Tricks üben … auf der Suche nach dem perfekten Flow.