Schnell fahren à la Colani

Schnell fahren à la Colani

Fahrrad des Monats Oktober ist eine Rennrad-Studie, die von ihrem Eigner (und früherem Auftraggeber) als „unfahrbar“ eingestuft wird, in mancher Hinsicht aber dennoch wegweisend war. 

 

Das für gewöhnlich dem Designer Luigi Colani zugeschriebene Tourenrad stammt in Wirklichkeit vom Wuppertaler Fachkollegen Odo Klose – doch der für seine runden Formen bekannte Schnäuzerträger mit dem weißen Rolli hat sich ebenfalls am Fahrrad versucht (um nicht zu sagen versündigt, wenn man mal rein nach der Optik geht). Dies geschah 1982/83 im Auftrag des Radherstellers Kalkhoff, damals noch ein Familienbetrieb mit eigener Rahmenfertigung, der auch Rennräder herstellte.

Colanis Studie einer Rennmaschine gleicht auf den ersten Blick jenen speziellen Modellen fürs Zeitfahren, wie sie in den frühen 1980er-Jahren verwendet wurden – typisch ist das nach vorne abfallende Oberrohr, das eine gebeugtere Sitzposition ermöglichen sollte. Im Falle des Colani-Modells haut das jedoch nicht hin, sitzt der Sattel doch direkt auf dem Rahmen. Immerhin kann man den riesigen Rennlenker weit unten fassen; die langen Doppelgriffe erlauben das Bremsen ebenso dort wie an den nach vorne abstehenden „Hörnern“. Im Unterschied zu den besagten Zeitfahrrädern positionierte der Designer den Sattel aber extrem weit vorne – und nahm damit etwas vorweg, das im Triathlon „American Position“ genannt wird und eine noch flachere Oberkörperhaltung erlaubt. Und damit war Colani seiner Zeit wirklich voraus.

Sitzrohr und Unterrohr sind geteilt, oder, besser gesagt, statt eines Rohres kommen jeweils zwei zum Einsatz. Das doppelte Sitzrohr bringt das Hinterrad näher ans Tretlager, was  größerer Wendigkeit dienen soll; die getrennten Unterrohre sind wahrscheinlich zum Erreichen einer höheren Rahmensteifigkeit gewählt worden. Beide Maßnahmen finden sich auch Jahrzehnte später an Rennradrahmen, allerdings meist nicht zusammen.

Das Colani-Rad befindet sich seit seiner Entstehung im Besitz der Firma Kalkhoff, die heute eine Marke der Derby Cycle GmbH ist. Das Rad sei „von der Geometrie her nicht fahrbar“, heißt es vonseiten des Unternehmens, könnte aber durchaus in einen fahrbereiten Zustand versetzt werden. Einen Versuch wäre es wert.

 

 

2 Kommentare

  • Speedy sagt:

    Schönes Ding. Bin selbst auch mal eine zeitlang Rennrad gefahren, mittlerweile mag ich es aber dann doch etwas gemütlicher. Was hältst du generell von Ebikes?

  • Jan Lorenzen sagt:

    Ich glaube, dass es einen Markt für Ebikes gibt – und damit meine ich nicht nur Rentner. Im Lastenradbereich und auch im “ländlichen” Verkehr und bei Pendlern könnte das Ebike eine interessante Rolle übernehmen.