Paris-Roubaix: In der Hölle scheint die Sonne

Paris-Roubaix: In der Hölle scheint die Sonne


Paris-Roubaix, dieses Jahr ausgetragen am Sonntag, dem 13. April, ist das wohl berühmteste Eintagesrennen im Radsportkalender. Die berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen der “Hölle des Nordens” (unter diesem Namen erst nach den Verwüstungen des Ersten Weltkrieges bekannt) stellen das große Hindernis und Risiko in dieser topfebenen Landschaft dar – Schauplatz grandioser Attacken und grauenhafter Stürze, Relikt einer Ära der Landwirtschaft und des Bergbaus, die den Norden Frankreichs bis heute prägt.

Niemand hat die Faszination von Paris-Roubaix so kongenial eingefangen wie der dänische Filmemacher Jorgen Leth. Sein Meisterwerk “A Sunday in Hell” von 1976 gilt als bester Radsportfilm aller Zeiten und wird im Blog der Ausstellung “Das Fahrrad” in einem 18-minütigen Zusammenschnitt zu sehen sein (wir arbeiten noch an der technischen Umsetzung). Auch wenn auf Eddy Merckx & Co. die Sonne scheint, hängt eine spannungsgeladene Düsternis über Leths Bildern. Er schafft eine Epik und Dramatik, die moderne Mitschnitte des Rennens bei weitem nicht erreichen können, bei aller Spannung, die die Handlung von Paris-Roubaix selbst bietet. Eine Beobachtung am Rande: Die Gehöfte und Bauwerke, die das Rennen von 1976 passiert, können auch heute noch wiedererkannt werden – ein Déja vu für jeden, der sich selbst in die Hölle wagt …

 

 

Zur Abrundung oder Einstimmung für alle, die sich das Rennen am Sonntag live anschauen wollen, lassen sich online jede Menge Clips und Filme aufrufen. Es folgt eine kleine, interessante Auswahl.

“This is the part of France where carving out a living is long and hard work”, sagt der Kommentator in getragenem Tonfall, während die Kamera Kraftwerke und Fördertürme zeigt – “in diesem Teil Frankreichs ist es schwere und lange Arbeit, sich seinen Lebensunterhalt zusammenzukratzen”. Bei Paris-Roubaix 1986 ist der Unterschied zwischen neuer und alter Welt noch deutlich spürbar: Die US-Radprofis vom Team Seven-11 geben zu, noch nie solche Straßen gefahren zu sein, ein radelnder Postbote wird derweil vom Sprecher als Exponent französischer Radkultur gedeutet. 28 Jahre später hat der Film einen beinahe anthropologischen Blickwinkel – eine ferne Zeit, betrachtet aus der Sicht einer anderen Kultur.

 

Einen rein sportlichen Vorgeschmack mit Bildern aus unterschiedlichsten Epochen und kurzen Einspielungen vergangener Sieger zeigt das Radsportportal Velomotion: 

 

Eher Selbsterfahrungs-Charakter hat dieser kurze Film  mit einem seltsamen “Mystery Man”, der auf dem urzeitlichen Pflaster im Wald von Arenberg freilich ziemlich flott unterwegs ist:

Eine Demonstration schierer Kraft lässt sich in einem Film von 2010 bewundern: Fabian Cancellara, der Schweizer Sieger von 2006, fährt 2010 die komplette Spitze auseinander auf dem Weg zu seinem zweiten Sieg; das Lieblingswort des belgischen Kommentators scheint “kaputt” zu sein: