Open Source statt Outsourcing

Open Source statt Outsourcing

Die aus geschraubten Aluminiumrohren gefertigten Modelle von XYZ Cargo stellen den Fahrradrahmenbau auf eine völlig neue Grundlage und erlauben auch Laien, an der Herstellung ihres Fahrrads teilzuhaben. Wer sehen will, wie das funktioniert, kann bei einem Workshop in unserer Besucherwerkstatt selbst aktiv werden – und vielleicht sogar sein eigenes Lasten- oder Liegerad mit nach Hause nehmen.

Die Kontrolle über Produktionsprozesse zurückgewinnen, den Widerspruch auflösen, dass ein ökologisch und sozial verantwortungsvolles Produkt Herstellungsprozessen unterliegt, die weder das eine noch das andere sind – aufgrund solcher Gedanken kam es zur Entstehung der Lastenräder von XYZ Cargo. Mit Schraubverbindungen statt Schweißnähten und geraden Quadratrohren statt gebogener Rundrohre unterschiedlichen Durchmessers wird der Bau von Fahrradrahmen auf eine völlig neue Basis gestellt. Denn so kann jeder, der über technischen Sachverstand und etwas Geschick verfügt, ein stabiles Lasten- oder Liegerad aufbauen – was freilich nur deshalb möglich ist, weil XYZ Cargo die Baupläne von zweien seiner vier Modelle zur freien Nutzung ins Internet gestellt hat.
Dieser „Open Source“-Ansatz, den man bislang vor allem von Computersoftware kennt, basiert auf der Philosophie des skandinavischen Künstlerkollektivs N55. Dessen Idee der gemeinschaftliche Nutzung von Gegenständen und Ressourcen hat unter anderem interessante, ökologisch verträglichere Wohnformen hervorgebracht, deren Bauformen sich auch im modularen Cargobike wiederfinden.
Im Sinne einer „erweiterten Manufaktur“ besteht das Konzept von XYZ Cargo darin, einen Teil seiner Modelle selbst anzufertigen und gleichzeitig sein Knowhow zu teilen. Wer auf die Konstruktionspläne des von N55 und Till Wolfer entwickelten Lastenradkonzepts zurückgreifen will, muss sich sämtliche Materialien freilich selbst besorgen – darunter etliche Meter der 25 x 25 cm messenden Vierkantrohre. Künstler und Designer Wolfer beziffert die reinen Materialkosten für Lasten- oder Liegedreirad auf rund 900 bis 1.000 Euro; der für alle Arbeitsschritte notwendige Zeitaufwand dürfte sich je nach Vorwissen in Tagen messen. Wer den Aufwand scheut, kann die Räder in der Hamburger Werkstatt auch bereits komplett montiert kaufen.
Ein Weg zum selbstgebauten XYZ Cargo führt über die Besucherwerkstatt der Ausstellung „Das Fahrrad“: Im Rahmen eines dreitägigen Workshops vom 3. bis 5. Oktober 2014 kann man unter Anleitung von Till Wolfer ans Werk gehen. Im Preis von 1.350 Euro ist die Kursgebühr sowie das komplette Cargobike inklusive aller Materialkosten enthalten; wer einfach nur mitschrauben will, zahlt für die drei Tage 100 Euro; Vorkenntnisse sind nicht nötig; weitere Infos und Anmeldung unter till@n55.dk.