Mit „Bait Bikes“ gegen Fahrraddiebe

Mit „Bait Bikes“ gegen Fahrraddiebe

Auch wenn die Diebstahlsquote im Vergleich zu deutschen Städten vergleichsweise moderat ist, geht die Polizei von San Francisco mit teils innovativen, teils rabiaten Methoden gegen Fahrraddiebe vor. 

„Fahrraddiebe zu beschämen ist toll“, freut sich Officer Matt Friedman vom San Francisco Police Department – und stellt die Fotos gestellter Radklauer auf seinen Twitter-Feed. Das ist gewöhnungsbedürftig und entspricht vielleicht nicht gerade unserem europäischen Rechtsverständnis, doch der Polizist hat ein paar Ideen auf Lager, die man sich auch hierzulande wünschen würde: Er stellt den Fahrraddieben eine Falle. „Bait Bikes“ nennt Friedman die von seinen Beamten platzierten Fahrräder, die mit einem versteckten GPS-Sender ausgestattet und damit stets genau zu lokalisieren sind. Wird ein solches Lockvogelrad geknackt, schnappt die Falle zu, wie in diesem Video zu sehen ist. Die Polizei der Stadt verteilt gelbe Aufkleber mit der Aufschrift „Is this a Bait Bike?“ an Radfahrer, und die Botschaft an die Fahrraddiebe ist klar: Jedes Fahrrad kann ein Lockvogel der Polizei sein, der Knast ist vielleicht nur ein paar Pedaltritte entfernt. 
Etwa 4.000 Fahrräder wurden 2012 in San Francisco gestohlen, erzählt Officer Friedman. Das sind etwa 484 Delikte pro 100.000 Einwohner; nach deutschen Standards ist die Stadt damit vergleichsweise sicher. Doch die US-Amerikaner wollen den Radverkehrsanteil steigern, und dazu gehört auch, den Menschen die Angst vorm Verlust ihres Drahtesels zu nehmen.
Friedmans Methoden scheinen zu wirken: Derzeit sinkt die Zahl der Raddiebstähle in San Francisco. Heiligt der Zweck die Mittel? Kritische Stimmen merken an, in einer Stadt mit wachsender sozialer Ungleichheit würden ärmere Menschen von teuren „Bait Bikes“ in Versuchung  geführt; die Polizei entgegnet, sie würde keine Gelegenheitsdiebe produzieren, sondern mit Bolzenschneidern ausgestatteten Profis das Handwerk legen. 
In jedem Fall: Wem die Idee, Fahrraddieben erst eine Falle und sie dann online an den Pranger zu stellen, nicht behagt, der sollte sein Fahrrad einfach mit einem stabilen Schloss sichern – denn so wird niemand in Versuchung geführt.