Helmpflicht für alle?

Helmpflicht für alle?

Warum sollten Radfahrer zum Helmtragen gezwungen werden, nicht aber Fußgänger und Autofahrer? Wenn es nach den Ursachen schwerster Verletzungen bis hin zum Tod geht, führt am Läufer- und Autohelm kein Weg vorbei. Oder sollte man vielleicht doch daran arbeiten, Unfallursachen zu vermeiden?

Immer wieder mal reckt die Helmpflicht für Fahrradfahrer ihr schuppiges Haupt und versetzt Zweirad-Enthusiasten in Angst und Schrecken. Unlängst aber hat das Ungeheuer empfindliche Niederlagen einstecken müssen (siehe zum Beispiel hier), und nun meldet sich auch noch die „Initiative Clevere Städte“ und tritt nach: Wann endlich, fragen deren Macher, kommen die Kampagnen in Werbung und Politik, die Fußgänger und Autofahrer zum Helmtragen animieren? 

Was erst einmal wie einem Satiremagazin entnommen klingt, fußt auf nüchternen Daten: Schaut man sich die Hochrechnungen der Initiative zu den Zahlen schwerstverletzter wie getöteter Verkehrsteilnehmer an, stellt man fest, dass Kopfverletzungen bei Autofahrern, Fußgängern und Radlern in gleichem Maße ursächlich sind. Gleichzeitig, so die Initiative Clevere Städte, werden im Vergleich zu den Radlern anderthalb Mal so viele Fußgänger und viereinhalb Mal so viele Autofahrer bei Unfällen getötet. 

Das führt die umtriebigen Verkehrsexperten der Initiative zur im Grunde logischen Forderung: wenn Helmpflicht, dann für alle. Echt jetzt? Nein, natürlich nicht – denn einfach nur an den Symptomen, sprich Unfallfolgen herumzudoktern, macht keinen Sinn. Verkehrsaktivist Heinrich Strößenreuter von der Initiative verfolgt einen anderen Ansatz: Die Unfallursachen sind es, bei denen man ansetzen muss. „Was wir brauchen, sind deutlich niedrigere Geschwindigkeiten, mehr Können von Kraftfahrzeuglenkern, jährliche Fahrkönnenüberprüfungen und sichere und ausreichend dimensionierte Fahrrad-Infrastrukturen.“ Damit spricht er freilich eine unbequeme Wahrheit aus – wie viel bequemer ist es doch, nach der Helmpflicht zu rufen und damit Radfahrern einseitig die Verantwortung zuzuschieben für Probleme, die struktureller Natur sind?

3 Kommentare

  • Mike Vahlkamp sagt:

    Helmtragepflicht hin oder her; mein Köpfchen ist mir am nächsten, den ich konsequent seit vielen Jahren schütze. Darüber hinaus praktiziere ich tagtäglich, bei jedem Wetter, eine immer defensivere Fahrweise. Jeder Tag ohne Unfälle ist ein guter Tag. In diesem Sinne. Have a good ride.

  • Dirk sagt:

    Hallo Mike Vahlkamp!
    Es geht dabei nicht darum, um über Sinn oder Unsinn des Helmtragens zu streiten sondern um eine Einordnung einer Helmpflicht in den Rahmen von Unfällen anderer Verkehrsteilnehmer und die strukturellen Probleme. (Selbst sekundäre Auswirkungen einer Helmpflicht sind hier nicht angesprochen, die konstruiert klingen aber tatsächlich beobachtet werden.)

    Auch ein Helmträger darf gegen Helmpflicht sein. :)
    (so wie ich)

    In diesem Sinne auch von mir Gute (Rad)Fahrt!

  • Arnim Lessner sagt:

    Helme erhöhen das Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden. Das ist kein Witz. Fahrradfahrer fahren weniger defensiv, Autofahrer halten weniger Sicherheitsabstand, der Ansätze und Erklärungen wieso gibt es viele, aber zumindest die Korrelation scheint von mehreren Studien belegt zu sein. Wobei das erhöhte Unfallrisiko über dem “Nutzen” eines Helmes liegt, unterm Strich hat man in Summe also mehr Schwere Verletzungen, Todesfälle etc. Viel Spaß beim Googlen, sollte aufzufinden sein.