Fahrrad … ein Medienhit oder Mobilitätswende ohne Angstmache

Fahrrad … ein Medienhit oder Mobilitätswende ohne Angstmache

Wer meint, die Leitmedien der Republik verhielten sich dem Fahrrad gegenüber skeptisch bis abschätzig, nehme die “Welt” vom 6. April 2014 zur Hand. Ein längerer, leider ungezeichneter Artikel auf Seite 15 beschreibt darin den Weg Kopenhagens zur heimlichen Vorreiterin aller fahrradfreundlichen Städte, und zwar in solch einem positiven Tonfall, dass die Vorstellung einer von Radfahrern dominierten Metropole so ziemlich jedem Leser als wünschenswert und zukunftsträchtig erscheinen muss.

 

Die dänischen Hauptstädter tun freilich einiges dazu, dass sich dieses Bild ergibt: Der Autor beobachtet, wie Hunderte von Radfahrern geschlossen an roten Ampeln halten, wie sie selbstverständlich Handzeichen geben und ebenso flott wie partnerschaftlich unterwegs sind. Kein Vergleich zum anarchischen Berliner Radverkehr, findet der “Welt”-Journalist, und liefert die Erklärung gleich mit: Zum einen investiert Kopenhagen auch absolut gesehen deutlich mehr in den Radverkehr als die sieben Mal größere deutsche Hauptstadt, zum anderen jedoch gehen die Dänen deutlich pragmatischer mit dem Thema Fahrradfahren um. Nüchterne Zweckorientierung statt des hierzulande vielfach beobachteten aggressiven Gutmenschentums und ökologischen Zeigefingers scheint das Fahrrad wieder zu dem Verkehrsmittel zu machen, das es vor dem Siegeszug des Automobils war – praktisch, vielseitig und leicht verfügbar, aber nicht Träger einer bestimmten Weltanschauung. So beinhaltet das Lob der skandinavischen Stadtplaner und Bürger auch eine Kritik an den heimischen Verhältnissen, die sich der unideologische Radfahrer gerne gefallen lässt.