Fahrrad des Monats: Laster des Ostens

Fahrrad des Monats: Laster des OstensUnser Fahrrad des Monats September werden manche Hamburger kennen, vor allem, wenn sie am Millerntor wohnen. Aus dem Reich der Mitte stammend, repräsentiert es eine dort aussterbende Transportmethode, die in europäischen Städten Zukunft hat.

Das Lastendreirad von Jan Wittkuhn ist in erster Linie praktisch. Es sei zum Transport für Dinge von 15 bis 200 Kilo geeignet, erzählt sein Besitzer – sogar Waschmaschinen, Möbel und auseinandergenommene Motorräder wurden damit bereits bewegt. In seiner Heimat, dem Hamburger Stadtviertel St. Pauli, ist es vor allem bei Fußballfans als Lieferfahrrad des St.-Pauli-Fanmagazins „Der Übersteiger“ bekannt; auch Anhänger des Clubs sind schon mit dem roten Dreirad befördert worden.

Ursprünglich stammt das Rad aus China, allerdings hat Jan Wittkuhn diverse Modifikationen an der Ausstattung vorgenommen. Mittlerweile verfügt das Transportrad über einen Nabendynamo und einen hellen LED-Scheinwerfer, außerdem über eine Gangschaltung. Die Feststellbremse mit dem auffälligen Hebel ist original, der Kernledersattel wohl eher nicht.

Jan Wittkuhn versteht sein Lastendreirad auch als verkehrspolitisches Statement. „Das Rad ist eine politische Nahverkehrstransportlösung, die viel zu lange vernachlässigt wurde“, meint Wittkuhn und führt gleichzeitig vor, wie emissionsfreier Lieferverkehr in der Stadt aussehen kann. In China werde das Transportrad, das einst „von Kühen und Hühnern bis zu Fahrzeugteilen“ alles transportierte, immer stärker vom motorisierten Verkehr verdrängt, bedauert Wittkuhn. Hierzulande sind Transportlösungen wie diese dagegen auf dem Vormarsch, wenn auch häufig in einer technisch deutlich fortgeschritteneren Form. Doch auch das macht den Charme des Hamburger „Übersteigermobils“ aus: Das Lastenrad muss nicht neu erfunden werden; es reicht aus, eine seit Jahrzehnten bewährte Bauweise behutsam zu modernisieren. „Es war billiger, als man denken möchte“, fügt Jan Wittkuhn noch hinzu.