Erstes Fahrrad des Monats

Erstes Fahrrad des Monats

“Das Fahrrad – Die Ausstellung” hat sein erstes Fahrrad des Monats: Der Cruiser “Karbar” von Steffen Bartels ist ein technisches Kunstwerk im Sinne des”L’art pour l’art”.

 

Zwei Jahre Arbeit stecken in diesem Projekt, das wir zu unsem ersten Fahrrad des Monats gekürt haben. Der Cruiser “Karbar” von Steffen Bartels kündet vom schönsten Schaffensdrang, ist eine Synthese aus vollendeter Technik und ausgefeilter Ästhetik. Hier ist der Weg das Ziel und das Ding an sich steht im Mittelpunkt – das Fahrrad als Kunstprozess und Ikone, nicht als Fahr-Zeug, dessen Verwendungszweck ausschlaggebend ist. Was nicht heißen soll, dass der Sport- und Mathematiklehrer Bartels das “Karbar” nicht auch fahren würde. Einige Hundert Kilometer wurden damit bereits zurückgelegt, in typisch entspannter Cruiser-Gangart – anders geht es auch gar nicht.

Wer im Museum vorm Ölgemälde steht, will nicht unbedingt wissen, wie der Maler den Pinsel geschwungen hat – in der Custom-Bike-Szene ist der Schaffensprozess jedoch mindstens ebenso bedeutsam wie das Endprodukt, wird online kommentiert und begleitet auf seinem Weg von der Idee zum fertigen Objekt. Der Entstehungsprozess des “Karbar” soll hier nur kurz angerissen werden: Aus dem Bild im Kopf des Künstlers entsteht eine CAD-Zeichnung am Computer. Schwierigkeiten ergeben sich bei der Beschaffung der Sechskantrohre aus denen der Rahmen geschweißt werden sollte. Interessantes Detail: Vor dem Biegen müssen die Rohre mit Sand gefüllt werden, um ihre Form nicht zu verlieren.
Die Einarmschwinge an der Front entstammt einer Vespa, Bauteile wie die Naben der Laufräder werden in Einzelanfertigung von Spezialbetrieben gefräst. Zur Übertragung der Tretbewegung ans Hinterrad dient ein Doppelriemenantrieb mit einer Achtgangnabe als Zwischengelege – aufwendiger geht es kaum. 

Sinnbildlich für das ganze Projekt mögen die an sich recht schlichten, modernen Tretkurbeln stehen, die mit dem Nostalgielack zu etwas gänzlich Anderem werden – so wie im ganzen Werk modernste Technik und historische Anmutung, Motorradkult und verspielte Fahrrad-Funktionalität ineinander verschmelzen. Doch eines geht dem “Karbar” ab: Bei aller geistiger Nähe zu den PS-Ikonen auf zwei oder vier Rädern fehlt Bartels’ Meisterstück jegliche Aggressivität. Und darin ist es wieder ganz Fahrrad.

 

 

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